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Innenstädte im Wandel

Deutsche Innenstädte sind lange Zeit Orte des Konsums gewesen. In Zeiten zunehmenden Online-Handels stehen sie nun vor Problemen. Doch der Wandel bringt auch Chancen mit sich, meinen Expertinnen und Experten.


Leere Geschäfte, breite, verlassene Fußgängerzonen, an den Schaufenstern Schilder: „Zu vermieten“ –  so sieht es in vielen deutschen Innenstädten aus, und das nicht erst seit der Pandemie. Marion Klemme vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung meint: „Corona samt Lockdown, und jetzt Inflation und Energiekrise haben nur den Wandel beschleunigt, der schon länger im Gange ist.“ Der Grund: „Online kann man individueller und bunter kaufen.“

In vielen Einkaufspassagen gibt es nur noch wenige Geschäfte, oft solche mit einem besonderen Angebot. Große Kaufhäuser gehen insolvent, es gibt Diskussionen um ihre Rettung. „Man versucht immer, die Schließung der Kaufhäuser hinauszuzögern und den Status quo zu bewahren. Und doch sind große Warenhäuser seit Jahrzehnten ein Auslaufmodell“, so Klemme.

Doch das Problem des Einzelhandels muss nicht zum Problem der Innenstädte werden, meint sie. „Es kann auch eine Chance sein.“ Diese Chance sieht auch Thomas Krüger von der HafenCity Universität Hamburg. Die Innenstädte in ihrer heutigen Form „sind globalisiert und langweilig“, findet er. „Kinder sind dort gar nicht vorgesehen, auch Alte, Junge oder verschiedene kulturelle Gruppen nicht – nur der Konsument ist gefragt.“

Die Innenstädte „sollten Orte sein, wo man sich gerne mit Freunden trifft. Und eventuell dann nebenbei etwas kauft“, so Krüger. Marion Klemme spricht von „konsumfreien Angeboten“: Die Stadtzentren sollten auch für Menschen interessant sein, die kein Geld fürs Shoppen haben. „Es braucht mehr Platz für Kultur, Bildung, Spielplätze, grüne Flächen, wo man sich gerne aufhält, auch wenn man nur eine Kugel Eis kauft.“


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