Mit einem Textmarker wird der Eintrag „Rechtschreibfehler“ in einem Wörterbuch gelb hervorgehoben. (Quelle: Marijan Murat/dpa/picture alliance)
Nachrichten für Lehrkräfte

Rechtschreibung in Zeiten von KI

Muss Rechtschreibung in Zeiten von intelligenten Korrekturprogrammen überhaupt noch intensiv gelernt werden? Unbedingt, fordern Gymnasiallehrer, und warnen vor einer Aufweichung.

Der deutsche Philologenverband warnt davor, angesichts von Korrektur-Programmen und Künstlicher Intelligenz (KI) die souveräne Beherrschung der deutschen Rechtschreibung infrage zu stellen. Diese sei auch in Zeiten von KI nicht verhandelbar, hieß es Ende April in einer Mitteilung des Verbands. Die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing kritisierte Aussagen von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Grünen-Politiker hatte kürzlich in einem „Zeit“-Interview gesagt: „Ich frage mich: Ist Rechtschreibung tatsächlich so wichtig, wenn das Schreibprogramm alles korrigiert?“ 

Korrekturprogramme nannte Link-Klitzing hervorragende Hilfsmittel, die aber klug eingesetzt werden müssten. „Eine Aufweichung der Bedeutsamkeit der Rechtschreibregeln für den Schulunterricht wäre ein fatales Signal für den Bildungsstandort Deutschland.“ Der Konsens über gemeinsame Rechtschreibregeln sei eine gewaltige Errungenschaft. „Wenn wir uns nicht einmal auf gemeinsame Rechtschreibregeln einigen können, worauf wollen wir uns dann überhaupt noch einigen?“, fragte Lin-Klitzing.

Der Verband, der hauptsächlich Gymnasiallehrkräfte vertritt, verwies auch auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Jahr, bei dem es um Fragen der Bewertung der Rechtschreibung in Zeugnissen bei Schülern mit Lese-Rechtschreib-Störung ging. Grundsätzlich hatten die Richter die Bedeutung der Rechtschreibung hervorgehoben. „Die Aufgabe der schulischen Vermittlung von Rechtschreibregeln und deren Bewertung hat sich durch die Entwicklung selbstlernender Rechtschreibprogramme nicht überholt“, hieß es. Die Beherrschung der Regeln sei notwendig, um Wörter in ihrer wiederkehrenden Gestalt schnell ganzheitlich und in ihrer richtigen Bedeutung erfassen zu können. Die Fähigkeit zu störungsfreier Kommunikation setze auch die Beherrschung von Rechtschreibregeln voraus.

dpa