Parallel zur ersten Demokratie entstand in Deutschland eine einflussreiche Kunstströmung. Ausgangspunkt war ebenfalls Weimar. Hier gründete der deutsche Architekt Walter Gropius 1919 die Kunstschule Bauhaus. Weitere Stationen waren Dessau und später Berlin, wo die Kunstschule 1933 aufgelöst wurde.
Prägend waren Denk- und Arbeitsweisen, die heute selbstverständlich scheinen: Experimentieren, interdisziplinäres Arbeiten, Entwerfen für die serielle Herstellung. Geschirr, Möbel, Hochhäuser – alles gehörte für Gropius zum Gesamtkunstwerk. Seine Maxime: Die Form gehorcht der Funktion. Die Schönheit sollte sich aus der Funktionalität ergeben. Das Ergebnis waren einfache, schnörkellose Formen. Auch heute findet der Bauhaus-Stil großen Anklang; deshalb werden immer wieder Retro-Editionen von Bauhaus-Lampen, -Stühlen oder -Tassen hergestellt. An der Kunstschule lehrten damals bedeutende europäische Künstler wie Lyonel Feininger und Wassily Kandinsky. Das Gebäude der Schule in Dessau, von Gropius selbst entworfen, wurde 1996 UNESCO-Weltkulturerbe. Heute dient es als Museum… aber zugleich als Treffpunkt für gestaltende Künstler aus aller Welt.