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Stirbt das „Sie“ aus?

Unternehmen wie Ikea, Adidas und Apple duzen seit einiger Zeit ihre Kunden – und liegen damit im Trend. Das förmliche „Sie“ dagegen wird immer seltener gebraucht. Aber wird man es bald gar nicht mehr hören?

Die Marketing-Leute des Möbelherstellers Ikea waren um 2003 die Ersten in Deutschland, Unternehmen wie Adidas, Apple oder Aldi zogen nach: Sie fingen an, ihre Kunden zu duzen. Ikea will damit „ein Stück Schweden in die Welt tragen“, wie eine Sprecherin sagt – dort wird schon seit über 50 Jahren offiziell nur noch geduzt.

In Deutschland war das jedoch ein ungewöhnlicher Schritt. „Traditionell herrscht in der deutschen Sprache ja eine ‚Sie‘-Kultur“, sagt die Kommunikationsberaterin Kerstin Hoffmann. Unter Erwachsenen kann es lange dauern, bis man sich das „Du“ anbietet – besonders im Berufsleben. Für Unternehmen, die vor allem jüngere Kunden haben, ist das „Du“ jedoch „ganz bewusst Teil der Corporate Identity“, so Hoffmann.

Damit liegen sie im Trend, sagt auch die Sprachwissenschaftlerin Stefanie Stricker: „Das ‚Sie‘ wird immer reduzierter eingesetzt, das ‚Du‘ greift weiter um sich.“ Ganz neu ist die Entwicklung aber nicht: In Bayern zum Beispiel werden auch Fremde traditionell geduzt. In Hamburg sagt man zwar „Sie“, benutzt dann aber den Vornamen. Stricker glaubt, dass wir gerade einen Sprachwandel erleben, dessen Konsequenzen sich schon innerhalb einer Generation bemerkbar machen werden.

Wird das „Sie“ deshalb ganz aussterben? Wohl nicht, meint Stricker: „In offiziellen Kontexten siezt auch die jüngere Generation.“ Manchmal erwarten eben auch fortschrittliche Menschen eine förmliche Anrede – dann zum Beispiel, wenn ihnen ein Wohnungsunternehmen die nächste Mieterhöhung mit der Post schickt. Und selbst bei Ikea wird immer noch gesiezt – im Kundenzentrum.

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